Samstag, 21. Juli 2018
Notruf: 112

Freiwillige Feuerwehr Walsdorf

Information über Milzbrand

Kontakt mit Milzbranderreger

Sehr geehrte Damen und Herren,

seit dem Auftreten von gesicherten Milzbrandfällen in den USA wächst auch in Deutschland die Angst vor Terroranschlägen. Diese Angst wird gerne von Psychopathen und Trittbrettfahrern ausgenutzt, um Panik zu erzeugen und Bereiche des öffentlichen Lebens kurzfristig lahm zu legen. Es besteht jedoch nach übereinstimmender Aussage aller Informierten und Verantwortlichen in Deutschland derzeit keine konkrete Gefährdung.
Ausführliche Kenntnisse über Milzbrand (Anthrax) sind jedoch für den geordneten Ablauf etwaiger Einsätze mit Verdacht auf Milzbranderreger notwendig.

Milzbrand (Anthrax)
Erreger
Bacillus anthracis ist ein grampositives, bekapseltes Stäbchen, das in der Lage ist, Sporen zu bilden, die außerordentlich widerstandsfähig sind.

Vorkommen
Milzbrand ist weltweit verbreitet und eine Erkrankung pflanzenfressender Tiere. Fleischfressende Tiere und Menschen sind eher sog. "Fehlwirte". Daher tritt die Erkrankung bei ihnen nur sehr selten und sporadisch auf. Vor der Einführung einer Impfung für Tiere gab es ein gewisses Infektionsrisiko für Personen, die Tierhäute und Felle sowie tierische Knochen und Knochenprodukte verarbeiten, sowie Beschäftigte in der Tiermedizin, in der Land-, Forst- und Jagdwirtschaft, sofern sie mit infizierten Tieren in Berührung kommen.

Infektionswege
Hautmilzbrand kann bei direktem Kontakt der Haut mit erregerhaltigen tierischen Materialien (Organe, Häute, Felle, Wolle, Knochenmehl usw.) entstehen. Die Erreger benötigen dabei kleine Verletzungen, um in die Haut eindringen zu können. Lungenmilzbrand kann sich entwickeln, wenn sehr feine erreger- bzw. sporenhaltige Stäube oder Tröpfchennebel inhaliert werden. Darmmilzbrand kann entstehen bei Verzehr von Fleisch eines infizierten Tieres.
Eine direkte Milzbrandübertragung von Mensch zu Mensch findet nahezu nie statt! Patienten mit Verdacht auf Milzbrand sind deshalb nicht als hochinfektiös einzuordnen!
Eine gleichzeitige Infektion einer großen Zahl von Menschen wäre nur möglich, wenn Milzbrandsporen als Aerosol in ausreichender Menge ausgebracht würden. Die Herstellung und Verbreitung eines solchen Staubes ist technisch schwierig und benötigt spezielle und hochentwickelte Technologien.

Inkubationszeit
1 - 7 Tage (gelegentlich bis zu 60 Tagen, z. B. nach Inhalation von Sporen)

Klinische Symptomatik
Milzbrand ist eine akute bakterielle Krankheit, die gewöhnlich die Haut, in seltenen Fällen aber auch die Atemwege, insbesondere die Lunge, und den Verdauungstrakt befällt. Dabei zeigen sich folgende Erscheinungsbilder und Verläufe:

Hautmilzbrand
Dort, wo der Erreger in die Haut eindringt, entsteht eine rasch fortschreitende, umschriebene Entzündung in Form eines Knötchens mit Rötung und Schwellung des um-liegenden Gewebes.
Innerhalb von 2-6 Tagen entwickelt sich daraus ein mit schwärzlichem Schorf bedecktes, in der Regel nicht schmerzhaftes Geschwür - das sog. Milzbrandkarbunkel. Durch freigesetzte Bakteriengiftstoffe kann eine schwere Allgemeinsymptomatik mit hohem Fieber, Benommenheit und Herz-Kreislauf-Problemen hinzukommen. Als weitere Komplikation ist eine Ausbreitung der Entzündung über die Lymphbahnen bis hin zu einer schweren allgemeinen "Blutvergiftung" (Sepsis) möglich. Unbehandelt ist Hautmilzbrand in 5 bis 20 % der Fälle tödlich, durch eine Antibiotikagabe kann Hautmilzbrand gut behandelt und geheilt werden.

Lungenmilzbrand
Dringen unter bestimmten Umständen Milzbranderreger in die Atemwege ein, kann es zu einem schweren Krankheitsbild mit hohem Fieber, Schüttelfrost, blutigem Husten bis hin zu Lungen- und Herz-Kreislauf-Versagen kommen. Typisch ist hier eine radiologisch erkennbare mediastinale Verbreiterung. Auch bei Lungenmilzbrand ist eine antibiotische Behandlung möglich. Wegen der Aggressivität und des raschen Fortschreitens der Infektion ist bei Lungenmilzbrand eine frühzeitige Therapie besonders wichtig.

Diagnose
Der Nachweis von Bacillus anthracis muss in Laboratorien der Sicherheitsstufe 3 (BSL 3) erfolgen. Für die Oberpfalz ist das Institut für Medizinische Mikrobiologie der Universität Regensburg am Klinikum der Universität Regensburg zuständig. Bei Fragen und besonderen Gefahrenlagen ist der diensthabende Mikrobiologe über die Pforte der Universitätsklinik (Tel. 0941-944-0) Tag und Nacht erreichbar.

Therapie
Ausschließlich bei hochgradigem Verdacht auf eine Exposition (vor allem nach Einatmen von Sporen) ist eine prophylaktische Therapie mit 2x500 mg/d Ciprofloxacin indiziert. Ausnahmsweise erhalten auch Schwangere und Kinder bis zum Vorliegen eines mikrobiologischen Ergebnisses Ciprofloxacin (Kinder 20 - 30 mg pro kg KG pro Tag in 2 Dosen). Der mikroskopische Befund ist jedoch abzuwarten (Bearbeitungszeit 1/2 Stunde).

Präventiv- und Bekämpfungsmaßnahmen
Impfung
In Deutschland ist derzeit kurzfristig kein Impfstoff gegen Milzbrand verfügbar. Bei konkretem Expositionsrisiko ist eine antibiotische Prophylaxe durchzuführen.

Einsätze mit Verdacht auf Milzbranderreger:
- Tragen von Feinstaubmaske (0.4µm/FFP2) z.B. der Firma 3 M (OP- Masken sind nicht geeignet) und Gummihandschuhen (Mindestausrüstung) oder Chemikalienschutzanzug (CSA).
- Briefe, Päckchen o.ä. mit verdächtigem Material nicht schütteln oder entleeren.
- Brief oder Päckchen in mehrere Plastiktüten verpacken.
- Meiden von kontaminierten Arealen.
- Nach Verpackung besteht kein Infektionsrisiko.
- Nach dem Einsatz Hände mit Wasser und Seife waschen. Das gleiche gilt für die Reinigung von Schutzanzügen (CSA). Übliche Desinfektionsmittel, wie 70%-iger Alkohol sind gegen Milzbrandsporen nicht wirksam. Wirksam gegen Sporen ist frisch angesetzte ca. 1%-ige Hypochloritlösung (Einwirkzeit 60 min.). 13%-ige Lösung (z.B. der Firma Merck) ist über Apotheken zu beziehen.
- Anlegen einer Liste potentiell gefährdeter Personen. Eine Quarantäne exponierter oder erkrankter Personen ist nicht notwendig.

Einsatzpersonal muß nach einem Einsatz nur bei konkretem Krankheitsverdacht ärztlich nachuntersucht werden.

Überwachung und Früherkennung
Klinischer Verdacht
Ärzte sollten bei folgenden Symptom- und Laborkonstellationen eine Milzbrandinfektion differentialdiagnostisch in Betracht ziehen und bei entsprechendem Verdacht umgehend das zuständige Gesundheitsamt oder das Lagezentrum des jeweiligen Landesinnenministeriums verständigen. Wenn erforderlich, steht auch die Infektiologie der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin I am Klinikum der Universität Regensburg (Prof. Dr. Salzberger) zur Verfügung.

- Schwerste ungeklärte fieberhafte Erkrankung und/oder
- Sepsis oder respiratorisches Versagen mit radiologisch erkennbarer mediastinaler Erweiterung und/oder
- Nachweis grampositiver Stäbchen oder Bacillus spp. in Blut oder Liquor
- Mehr als zwei ungeklärte schwere Erkrankungen mit Hinweisen auf infektiöse oder toxische Ursachen.

Freiwillige Feuerwehr Walsdorf e.V.
96194 Walsdorf

Die Freiwillige Feuerwehr Walsdorf ist eine Hilfsorganisation mit der Aufgabe bei Bränden, Unfällen, Überschwemmungen und ähnlichen Ereignissen Hilfe zu leisten

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